TSV Kirchdorf: Das wird alles teurer

Horst Fabisch droht der VereinsschlussBerthold Kuban präsentierte dramtische Zahlenfür die G-Jugend-Fußballer ist die Welt noch in OrdnungLucie Flegerbein, Günter Hoff, Gerhard Bade, Horst MörickeGünter Hoff, Werner Haberkamp, Heidemarie Meyer

Kirchdorf. 

Der TSV Kirchdorf hat wieder eine Zukunftsperspektive. „Wir müssen uns selbst helfen“, hatte der Kirchdorfer Rechtsanwalt in einer emotionalen Rede während der außerordentlichen Mitgliederversammlung gestern Abend aufgerufen. Mit überwältigender Mehrheit beschlossen die 160 anwesenden Stimmberechtigten das vom Team um Kuban und Friedrich Wissel erarbeitete Sanierungskonzept, um die den Verein drückenden 263.000 Euro an ungesicherten Verbindlichkeiten zurückzuführen. Die Monatsbeiträge werden auf 16 Euro für Erwachsene und 12 Euro für Jugendliche erhöht, darüber hinaus wird ein Einmalbeitrag von 80 bzw. 40 Euro erhoben.

Wie Wissel darlegte, hat der TSV Kirchdorf zudem obendrein Liquiditätsengpass in Höhe von 40.000 Euro. Übungsleiter und laufende Rechnungen können aktuell nur mit Verspätung bezahlt werden. Die Erhöhung der Monatsbeiträge soll Abhilfe schaffen und dazu führen, dass mittelfristig wieder notwendige Rücklagen gebildet werden können.

Die Erfüllung der von Kuban und dem auf Betreiben der hannoverschen Volksbank eingebundenen Wirtschaftsanwalt Dr. Manfred Voss mit den Gläubigern des Vereins ausgehandelten Quote zur Tilgung der Verbindlichkeiten ist aus dem Haushalt allerdings nicht zu erfüllen. Dies soll mit einem Sonderbeitrag zu gelingen.

Vom inzwischen zurückgetretenen ehemaligen Vorsitzenden Horst Fabisch kam der letzte Versuch eines Störfeuers. Er lobte die „tolle Leistung“ des Vorstandes, berief sich aber auf die Satzung, dass der Sonderbeitrag „rechtlich nicht möglich ist.“

Gehör fanden diese Worte nicht. Kuban hatte zwar eingeräumt, am „obersten Limit“ dessen zu sein, „was den Mitglieder auferlegt werden kann“, diese aber von der Notwenigkeit („sogar die Turnkinder spenden“) des Zusatzbeitrages überzeugt.  

„Ich benötige 115.000 Euro“, rechnete Kuban vor. Diese Rechnung geht nur auf, wenn der Mitgliederbestand konstant bleibt. Die Hoffnung ist seit gestern Abend jedenfalls größer denn je. Zumal bereits unglaubliche 33.000 Euro an Spenden auf dem von Kuban eingerichteten Treuhandkonto eingegangen sind. Obendrein hat Hannover 96 für das kommende Jahr ein „Rettungsspiel“ zugesagt.

Da die Kassenprüfer im Vorfeld der Versammlung nicht abschließend beurteilen konnten, ob die vorgelegten Zahlen vollständig sind, wurde empfohlen, den Vorstand für die geprüften Jahre 2014 und 2015 nicht zu entlasten. Daran änderte auch der Vorschlag des inzwischen zurückgetretenen Vorsitzenden Horst Fabisch „außer mir den übrigen Vorstand zu entlasten“ nichts. Ein Rettungsversuch der zu spät kommt. Auch wenn während der Versammlung alles ruhig blieb, machten drei Anträge deutlich, wie explosiv die Stimmung gegen Fabisch ist. Mit bitterer Miene musste er verfolgen, dass das Plenum den Vorstand beauftragte, satzungsgemäß ein Vereinsausschlussverfahren einzuleiten. Während der Wunsch, eine Strafanzeige zu stellen, keine Mehrheit fand, muss durch den Vorstand geprüft werden, ob eine Schadenersatzklage geführt wird.

Während Horst Fabisch stürmische Zeiten drohen, hat der TSV eine gute Chance wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. „Der Verein ist auf einem guten Weg“, bekräftigte Dr. Voss. Allein das von ihm festgestellte „Herzblut“ wird nicht genügen. Es ist vor allem noch viel Arbeit nötig.  

Fast zur Nebensache gerieten die Ehrungen verdienter Mitglieder:

Übungsleiter des Jahres: Markus Grete

Friedrich Lohmann-Gedächtnispokal: Andres Danner und Saskia Rehn

Neue Ehrenmitglieder: Monika Brauhart, Hans-Joachim Barnack, Werner Haberkamp, Ingrid Hof, Heidemarie Meyer, Jutta Rambke.

70 Jahre: Gerhard Bade

60 Jahre: Lucie Flegerbein, Helga Heitmüller

50 Jahre: Horst Möricke,

25 Jahre: Lutz Ahlborn, Hans-Joachim Barnack, Sarah Brandes, Vera-Christina Hemb, Heike Hoffmann, Klemens Hoffmann, Berthold Kuban, Jutta Ramke.

uw, 29.10.2016, 01:47
Redakteure CON

Kommentare

Die Kritische - , 29.10.16 11:06:
Für alle Vereinsmitglieder ist es schön, zu wissen, dass es nun verantwortungsvolle Ehrenamtliche gibt, die den TSV weiterleben lassen. Mit welcher Unverfrorenheit aber genau diejenige Person, nämlich Herr Fabisch, sich auf die Satzung beruft, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wenn er als Vorsitzender all die Jahre nach der Satzung gehandelt hätte, stünde der Verein heute nicht so da. Nachvollziehbar ist allerdings auch nicht, dass die Mitglieder nur Herrn Fabisch in die Verantwortung nehmen: Der gesamte im Vereinsregister eingetragene Vorstand ist nach Vereinsrecht verantwortlich und haftbar. Alle anderen Vorstandsmitglieder sind ihren Aufgaben nicht nachgekommen und haben den Vorsitzenden einfach "machen" lassen. Rein rechtlich ist allerdings auch ein Strafantrag gegen Herrn Fabisch nicht haltbar: Herr Fabisch hat die fehlenden Gelder nicht unterschlagen, sondern Schulden aufgebaut. Diese sind aber auch nicht in einem Jahr entstanden, sondern gewachsen. Was hat der "Restvorstand" dagegen unternommen? Auf den Jahreshauptversammlungen haben die Mitglieder doch auch den/die Geschäftsbericht/e gehört und den/die Haushaltspläne genehmigt. Mitverantwortlich sind auch die Bank und die Kommune: Bei jeder Privatperson gibt es entsprechend des Einkommens, der Sicherheiten ein bestimmtes Limit: Den Verein hat man in den Ruin laufen lassen.
Kopf hoch, TSV-Mitglieder, gemeinsam seid ihr stark und schafft das; ich drücke die Daumen und wünsche aufrichtig viel Glück!

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