Kommunalwahl: Schüler wollen mehr wissen

Die vier jungen Politiker diskutierten fast zwei Stunden lang.Marcel Sacha , Matthias Bohrßen, Lukas Kirchner, Anais Tonn, Felix Miethe und Steffen Freitag.400 Schüler der KGS Goetheschule und des Hannah-Arendt-Gymnasium besuchten die Diskussion.

Barsinghausen. 

Am Sonntag sind Kommunalwahlen. Heute Vormittag wurde daher im Schulzentrum am Spalterhals, über Kommunalpolitik informiert und diskutiert. Schüler des Hannah-Arendt-Gymnasiums (HAG), die Sonntag zum ersten Mal wählen werden, hatten dazu Vertreter der in Barsinghausen zur Wahl stehenden Parteien eingeladen. Wichtig war den Organisatoren, dass alle Politiker etwa in ihrem Alter, also Jahrgang 1990 oder jünger waren. Einladungen wurden an die CDU, die SPD, die FDP, die Grünen, die AfB, die UWG und die AfD geschickt. Die hiesige AfD war in den vergangenen Tagen durch einen anklagenden Facebook-Post Richtung der Lehrer des HAG und der KGS Goetheschule, deren 10. Jahrgang heute auch anwesend war, aufgefallen. In dem Post wurde geschrieben, dass Schüler  ausgesagt hätten, sie würden am Dienstag wählen. Dieses Missverständnis wurde von der AfD direkt aufgenommen. Die Lehrer der Schulen würden offensichtlich die Schüler zur Briefwahl auffordern und damit den Ausgang der Wahlen manipulieren. Inzwischen ist die AfD von HAG-Schulleiterin informiert worden, dass dies in keinster Weise der Wahrheit entspricht. Daraufhin hat die AfD ihre Unterstellungen zurück genommen.

Die jungen Politiker der UWG und AfD waren heute „aus beruflichen Gründen“ verhindert, die Vertreterin von AfB schrieb heute morgen eine Klausur. Somit waren nur Steffen Freitag (Grüne), Felix Miethe (SPD), Matthias Bohrßen (CDU) und Marcel Sacha (FDP) anwesend. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Schulleiterin Frau Bethe, mussten sich die vier angehenden Ratsherren den Fragen der Schüler stellen. Diese wurden von Politikkursen der 10. bis 12. Jahrgänge in den letzten Wochen formuliert. Zwei Schüler des HAG, Anais Tonn und Lukas Kirchner aus der Qualifikationsphase, moderierten die Diskussion. Hauptthemen waren unter anderem die Attraktivität der Stadt Barsinghausen für Jugendliche, die Schulen der Stadt und die Integration von Flüchtlingen.

Zum Thema Attraktivität der Stadt äußerten sich CDU und SPD etwa gleich: Barsinghausen sei bereits attraktiv für Jugendliche. Zusätzlich verwies Felix Miethe auf die von der SPD geforderte Einrichtung eines öffentlichen Jugendraums. Matthias Bohrßen nannte die von der CDU beschlossene Sanierung der Innenstadt als „Schritt in die richtige Richtung“.

Marcel Sacha von der FDP sprach sich ebenfalls für „Zukünftige Projekte“ aus, wurde dabei allerdings wenig konkret. Steffen Freitag schlug die Einrichtung von freiem WLAN in der Fußgängerzone als attraktivitätsfördernde Maßnahme vor. Beim Thema Schule wurde es für alle Beteiligten spannend. Die Vertreter der Parteien waren bis vor wenigen Jahren alle selbst Schüler am Hannah-Arendt-Gymnasium und hatten somit größtes Verständnis für die Fragen und Forderungen der Schüler. Bemängelt wurde die langsam voranschreitende Sanierung an den einzelnen Schulen. Ein Argument dafür brachte Felix Miethe: „Wir haben nun mal sehr viele Schulen in der Umgebung. Saniert wird, schneller geht es leider nicht.“ Marcel Sacha vertröstete die Schüler: „Wir sind für eine Erhöhung des Schulbudgets.“ Das Geld sei da, es mangele nur an Fachkräften in der Verwaltung. Beide luden jedoch die Schüler ein, Ratssitzungen zu besuchen und bei der Bürgerbefragung mit zu machen. Wenn Probleme oder Wünsche entstehen, müssten die Menschen damit schon zu ihnen kommen. Damit ging es flüssig über in das Thema Bürgerbeteiligung. Viele der anwesenden Schüler schienen nichts von der Möglichkeit zu wissen, bei Ratssitzungen Fragen zu stellen und Vorschläge zu machen. Die vier Politiker waren sich einig, dass Bürgerbeteiligung bereits gut möglich ist.

Das wohl aktuellste und weitreichendste Thema, die Flüchtlingskrise, wurde ebenfalls von den Schülern angesprochen. Sie wollten wissen, ob die Stadt diese Situation schaffen kann und was die einzelnen Pläne zu Integration seien. Zu schaffen sei es durchaus, das stellten alle klar.

Integration werde vor allem durch die zahlreichen ehrenamtlichen Projekte in der gesamten Region möglich gemacht. Diese Ehrenamtlichen sollten mehr von der Stadt unterstützt werden, zum Beispiel durch zur Verfügung stehende Räume. In diesem Punkt waren sich Steffen Freitag und Felix Miethe einig. Matthias Bohrßen betonte auch die Bedeutung von Sportvereinen. Laut Marcel Sacha ist Sport ebenfalls eine gute Möglichkeit sich zu integrieren. „Auf dem Platz sprechen alle die selbe Sprache“, sagte Sacha. Dennoch müssten Sprachkurse organisiert werden, dafür sei allerdings die Stadt zuständig. Abschließend zu diesem Thema sprach sich Steffen Freitag noch offen gegen rechte Hetze und Populismus, ob im Internet oder woanders, aus. „Rechte Hetze erschwert Integration zusehends. Es ist die Aufgabe eines jeden Einzelnen von uns, dagegen etwas zu unternehmen“, so Freitag.

luk, 06.09.2016, 14:13
Redakteure CON

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