„Bürgerinitiative Gegenwind“ im Aufwind

Die Bürger trugen ihre Bedenken und Anregungen vor.Dirk Perschel und Ernst-Richard Köper von der BI Gegenwind.Bernhard Klockow von der Regions-FDP kritisierte die bürgerferne Planung.

Leveste. 

Die Levester Bürgerinitiative „Gegenwind“ war überwältigt von der Resonanz auf ihren Informationsabend mit weit über 120 Teilnehmern zur Windenergie in Leveste. Ernst-Richard Köper und Dirk Perschel von der BI Gegenwind erfuhren auch viel Aufwind für ihre Ziele. Die Teilnehmer trugen sich in Unterschriftenlisten ein, um ihren Protest zu den Festsetzungen mit Ausweisung eines Vorrangstandortes für Windenergieanlagen im Windpark Leveste in der zweiten Änderung des Regionalen Raumordnungsprogrammes (RROP) zu untermauern. Die Unterschriftenlisten werden weiter in der Bäckerei Sprengel in Leveste ausgelegt. Außerdem wollen Ernst-Richard Köper und Dirk Perschel auf dem Gehrdener Wochenmarkt am kommenden Samstag weitere Unterschriften sammeln und über die Ziele der BI Gegenwind informieren. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Die Anregungen und Bedenken zur 2. Änderung des RROP müssen innerhalb der nächsten vier Wochen vortragen werden.

BI-Sprecher Ernst-Richard Köper informierte die Besucher über das bisherige Verfahren. Im letzten Jahr wurde die Vorrangfläche für die Windenergienutzung im Levester Windpark im Entwurf für RROP gestrichen mit dem Hinweis auf den besonderen Schutz des Landschaftsbildes und artenschutzrechtlicher Konflikte. Für die vorhandenen acht Anlagen wurde ein Bestandsschutz ausgewiesen und auf die Eigentumsrechte hingewiesen. „2016 vollzieht die Region Hannover eine 180-Grad-Kehrtwende, die ausführlichen Begründungen gelten nicht mehr“, schilderte Köper den Verfahrensfortgang. „Wenn wir heute nichts unternehmen, können in acht bis zehn Jahren Windenergieanlagen im Repowering-Verfahren mit bis zu vier neue Anlagen bis zu 200 Metern Höhe, einem Rotordurchmesser von 140 Metern wie die Spannweite eines Jumbojets, 40 Meter höher als der Gehrdener Berg und mit roten Blinklichtern für die Flugsicherung im Westen von Leveste stehen“, unterstrich Köper. Im RROP wird keine Höhenbegrenzung der Anlagen festgelegt, so dass nach dem neuesten Stand der Technik in zehn Jahren vielleicht sogar Anlage mit einer Höhe von 300 Metern gebaut werden könnten. „Wir können der Politik keinen Blankoscheck ausstellen. Auch wenn die Energiewende beschlossen ist, können wir nicht jeden Automatismus unterstützen“, so Köper weiter.

BI-Mitglied Dirk Perschel berichtete von der Wohnqualität in Leveste aus der Sicht eines zugezogenen Mitbürgers, der vor 20 Jahren von der Stadt Hannover ins Calenberger Land zog. „Noch ist eine Balance zwischen Windenergie und Wohnqualität in Leveste gegeben. Mit einem Repowering und 200 Meter hohen Anlagen liegt Leveste nur noch am Fuß von Windenergieanlagen“, so seine Einschätzung. „Weit vor dem japanischen Fukushima hat Leveste seinen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende geleistet, aber noch größere Windenergieanlage passen hier nicht mehr hin“, äußerte Dirk Perschel seinen Unmut. Die Absicht der Gewinnmaximierung eines Unternehmens dürfe auch die Wohnqualität nicht weiter einschränken.

Ernst-Richard Köper warnte vor den Auswirkungen des Infraschalls und den zu geringen Abständen zwischen den Windenergieanlagen und der Wohnbebauung. „800 Meter wie in der Region Hannover sind zu gering. Bayern fordert immerhin 2.000 Meter. Das Umweltbundesamt fordert zudem, dass die Auswirkungen von Infraschall-Emissionen besser erforscht werden müssen“, so Köper.

Holger Spohr, Fachdienstleiter Umwelt und Klimaschutz, erläuterte den Standpunkt der Verwaltung. „Es gibt stets konkurrierende Interesse in einem Siedlungsraum und es ist schwierig, einen Ausgleich zwischen allen Interessen zu finden“, so Spohr. In Leveste wird die Fläche des Windparks zwar verkleinert und größere Abstände zur Wohnbebauung im neuen RROP ausgewiesen, aber über die Höhe der Repowering-Anlagen kann nur spekuliert werden. Dafür gibt es keine Garantie“, so Spohr. Er forderte die besorgten Bürger auf, ihre Meinungen vorzutragen. Anregungen und Bedenken können bei der Stadt Gehrden oder direkt bei der Region Hannover vorgetragen werden. Zu dem wichtigen Thema findet am 10. Mai eine gemeinsame Sitzung des Bauausschusses und des Umweltausschusses mit Vertretern der Region Hannover im Bürgersaal der Stadt Gehrden statt.

Bernhard Klockow, FDP-Regionsabgeordneter und Vorsitzender des Arbeitskreises Windenergie, bemängelte, dass eine bürgernahe Planung fehle. Kai-Magnus Paulsen von der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Gehrden teilte mit, dass seine Fraktion der 2. Änderung des RROP nicht zustimmen werde. CDU-Ratsmitglied Karl-Heinz Behre unterstrich seine vehemente Haltung gegen den aktuellen Entwurf des RROP. „Hier sind nicht nur die Levester gefordert, sondern allen Gehrdenern müsste etwas am Erhalt des Landschaftsbildes liegen“, forderte Behre weiter ein. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Thomas Spieker sprach sich für den Fortbestand des Windparks aus, allerdings deutlich gegen das Repowering.
Jan Pinkernelle von der Betreibergesellschaft Windwärts hatte bei der Versammlung keinen leichten Stand, meldete sich aber als Vertreter von 250 Gesellschaftern mutig zu Wort. Er betonte, dass das Repowering keine höhere Infraschallbelastung mit sich bringt und die bisherigen acht Anlagen durch maximal vier neue Anlagen ersetzt werden können. „Die Höhe kann nur als ästhetischer Aspekt beurteilt werden“, meinte Pinkernelle.

Ernst-Richard Köper und Dirk Perschel warben für eine kräftige Unterstützung der BI Gegenwind. „Mit vielen Unterschriften wollen wir erheblichen Widerstand als mündige Bürger aufzeigen und die Verwaltung sollte mehr Fürsorge für ihre Bürger zeigen“, sagte Köper in seinem Schlusswort.

we, 12.04.2016, 00:08
Redakteure CON

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