Exkursion zu Lerchen-Fenstern

Gehrden. 

Der NABU und die Jägerschaft Hannover-Land machten sich jetzt gemeinsam zu einer Exkursion zu den Lerchen-Fenstern bei Leveste auf. Trotz des regenreichen Wetters haben sich 13 Interessierte in einem Weizenacker bei Leveste das „Wohlfühlprogramm“ für Lerchen angesehen, freute sich Gisela Wicke vom NABU Gehrden/Benthe. Erfreulicherweise wurden dort in den beiden letzten Jahren, viele sogenannte Lerchen-Fenster mit 36 x 50 Meter Größe bei Leveste angelegt. Christian Schulze als Verwalter der Calenberg-Bredenbeck GbR stellte die „lerchenfreundliche Landwirtschaft“ vor. Er grubbert Teilflächen der Winterweizenfelder im zeitigen Frühjahr und sät verschiedene Blühpflanzenarten wie Buchweizen ein. Die Flächen sind aus Forschungszwecken unterschiedlich groß, werden nicht gedüngt und nicht mit Pestiziden behandelt. Dadurch entsteht ein lockerer Bewuchs. Das offene Gelände brauchen die Lerchen unter anderem Feldvögel wie Schafstelzen, um ab Mitte April in Bodenmulden drei bis fünf Eier zu legen. Im ökologischen Anbau entstehen lückige Strukturen im Getreide großflächiger, da weniger Dünger eingesetzt wird.

Der Biologe Joachim Neumann vom NABU-Landesverband konnte durch seine wissenschaftlichen Untersuchungen einen guten Bruterfolg in den Lerchenfenstern nachweisen. Allerdings hängt der Aufwuchs der Küken von der Höhe und Lückigkeit des Bewuchses und daher auch von der Witterung ab. Dieser Aspekt ist auch für die Höhe der Reduzierung der Küken durch Füchse oder Rabenvögel wichtig.

Hans-Jürgen Thiemann als Naturschutzobmann der Jägerschaft weißt darauf hin, dass in unserer Kulturlandschaft ein Prädatorenmanagement gleichrangig neben der Biotopgestaltung unerlässlich sei, um die Verliererarten in der Tierwelt zu unterstützen. Der Jägerschaft liegen dabei nicht nur Feldhase und Rebhuhn am Herzen. Es wurde auch über die Anrechenbarkeit der Lerchenfenster als sogenannte Greening-Maßnahme zur Bereitstellung von ökologischen Vorrangflächen diskutiert, die im Rahmen der EU-Förderung auf fünf Prozent der Fläche eines Betriebes vorgeschrieben sind. Thiemann bedauert aus Gründen des Artenschutzes, dass der Anbau von Zwischenfrüchten als ökologische Vorrangflächen möglich ist. Besser wäre es, wenn mehr Flächen ganzjährig aus der intensiven Produktion genommen würden.

Blühflächenprogramme die solches ermöglichen sind jedoch nur auf Sandböden attraktiv bei den Landwirten. Das Lerchenfensterprojekt wird von der Region Hannover mit insgesamt 35.000 Euro unterstützt und vom NABU fachlich begleitet. Die Landwirte verzichten auf Ernteerträge und werden dafür finanziell entschädigt. Die Hoffnung besteht, den Rückgang der Feldvögel um etwa 50 Prozent in den letzten 25 Jahren zu stoppen.

Der Lerchengesang hört für viele Menschen immer noch zum Frühling dazu. Alle Exkursionsteilnehmer waren sich einig, dass die Artenschutzmaßnahmen auch auf vielen anderen Feldern erfolgen werden sollten, um den gravierenden Rückgang der Lerchen aufzuhalten.

red, 27.06.2016, 15:43
Redakteure CON

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