Holzreste an Brunnen lassen Einblick in frühe Siedlungsgescichte zu

Regionsarchäologin Ute Bartelt weist auf die Holzreste am Brunnenfundament hin.Ortstermin im Grabungsfeld an der KirchstraßeUte Bartelt zeigt Keramikscherben aus dem 12./13.Jahrhundert, die in der Füllschicht des Brunnens gefunden wurdenDeutlich zu erkennen: Der Brunnen mit verschiedenen Füllschichten.

Gehrden. 

„Uns ist ein ganz ordentlicher Schritt in die Vergangenheit gelungen“, sagt Kommunalarchäologin Ute Bartelt bei der Vorstellung der Ergebnisse von den archäologischen Arbeiten im künftigen Kirchhofquartier in der Gehrdener Stadtmitte. Bisher wurden fünf Brunnen freigelegt, die einen tiefen Einblick in die Gehrdener Stadtgeschichte zulassen.

Die Archäologen um Ute Bartelt waren zu Beginn der Ausgrabungsarbeiten mit dem Anspruch gestartet, Siedlungsspuren im historischen Ortskern in Sichtweite zur Margarethenkirche bis in das Hochmittelalter im 11. / 12. Jahrhundert nachweisen zu können. Im 13. Jahrhundert wurden Gehrden die Rechte eines Fleckens zugewiesen. Davor muss es also eine Besiedlung im heutigen Stadtkern gegeben haben. „Eines der Rechte war das Befestigungsrecht mit einer Wall- und Grabenanlage und einem aufgesetzten Palisadenzaun. Das Grabungsgebiet liegt mitten in dieser Befestigungsanlage und wir konnten davon ausgehen, an dieser Stelle älteste Siedlungsbelege für das Flecken Gehrden zu finden“, so Ute Bartelt.

Diese Erwartungen wurden durch das Freilegen von fünf Brunnen erfüllt. An einem Brunnen finden sich schwarzverfärbte Holzbalken, die als Fundament für den ringförmigen Aufbau des Brunnens aus Steinen dienten. Diese Holzreste müssen noch genauer untersucht werden. Aus den Jahresringen in den Holzresten kann ermittelt werden, wann der Brunnen angelegt wurde. „Mit etwas archäologischen Glück können wir den Bau des Brunnens auf ein Jahr genau eingrenzen“, so Ute Bartelt. Die Hölzer können wahrscheinlich deutlich vor dem 12./13. Jahrhundert datiert werden. Die Brunnen wurden aufgegeben und mit Boden und Abfällen verfüllt. In den verschiedenen Füllschichten wurden Keramikscherben aus dem 12./13. Jahrhundert gefunden. Da die Brunnen vor ihrer Verfüllung für die Wasserentnahme genutzt, müssen sie wesentlich älter als die Keramikscherben sein. „Der Brunnen ist vielleicht im Jahr 1100 gebaut und dann mit den Keramikscherben im Jahr 1300 verfüllt worden“, rechnet Ute Bartelt mit einer vagen Vermutung und Schätzung vor. Genaue Ergebnisse werden die noch erforderlichen Untersuchungen der Holzreste liefern.

„Die archäologische Untersuchung des künftigen Kirchhofquartiers ist ein weiterer Baustein in der Gehrdener Stadtgeschichte“, zeigte sich Bürgermeister Cord Mittendorf beim Ortstermin beeindruckt. Er hat die Ausgrabungsarbeiten mit großem Interesse verfolgt. Seine Familie und die Familie Garbe, die bis auf das 16. Jahrhundert auf ihrer ehemaligen Hofstätte an der Kirchstraße nachzuweisen ist, haben in der Landwirtschaft eng zusammengearbeitet, erinnerte sich Mittendorf. Die archäologischen Untersuchungen auf dem etwa 2.500 Quadratmeter großen Grundstück sollen endgültig bis Ende Oktober und damit frühzeitiger als zunächst erwartet abgeschlossen sein.

Der Baubeginn für das Kirchhofquartier mit 35 Eigentumswohnungen wird auf das Frühjahr 2017 verschoben. „Die Baugrube könnte noch bis Ende November ausgehoben werden, aber in der kalten Jahreszeit sind keine Betonarbeiten für die geplante Tiefgarage möglich. Die Arbeiten müssten wahrscheinlich witterungsbedingt eingestellt werden. Wir fangen deshalb erst Anfang 2017 an und ziehen das Neubauprojekt zügig ohne Unterbrechung an einem Stück durch“, teilte ein Vertreter des Investors HRG & Sänger beim Ortstermin mit.

we, 11.10.2016, 17:16
Redakteure CON

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