Hetzkampagne oder nicht: Windenergie erhitzt die Gemüter

Gehrden / Leveste / Barsinghausen. 

Mit einem offenen Brief hat Udo Sahling aus Barsinghausen auf den Artikel "BI Gegenwind lädt zur Bürgerinfo ein" reagiert. Darin äußert er seine Verwunderung über die Haltung des CDU-Mitglieds Ernst-Richard Köper, der auch Sprecher der BI Gegenwind Leveste ist. Sahling schreibt am 10. April:

"ich wundere mich schon ein Weile darüber, dass und wie Sie sich als ausgewiesenes CDU-Mitglied zum Sprecher einer Hetzkampagne gegen die Windenergienutzung am Standort Leveste machen und ich wundere mich auch darüber, dass das von ihren Parteifreunden bisher so klaglos hingenommen wird. Sagt Ihnen niemand,

-          dass Frau Merkel höchst persönlich für Klimaschutz und Energiewende steht und sie dafür gesorgt hat, dass das letzte Atomkraftwerk 2022 vom Netz gehen wird, die Kohleverstromung so schnell wie möglich verringert werden muss und dass wir trotz aller Effizienzbemühungen darauf angewiesen sind, einen hohen Anteil unseres Stromes zukünftig durch Windenergieanlagen zu erzeugen,

-          dass auf Landesebene die CDU, als sie noch Verantwortung trug, davon ausgegangen ist, dass in Niedersachsen ca. 20 GWh Strom aus Windenergie an Land notwendig sind, wenn wir weiterhin Industriestandort bleiben wollen,

-          dass es auf regionaler Ebene einen von der CDU mitbeschlossenen Masterplan Klimaschutz gibt, nach welchem ca. gut 2 Prozent der Regionsfläche für die Windenergienutzung in Anspruch genommen werden muss und

-          dass die Stadt Gehrden ebenfalls mit den Stimmen der CDU ein Klimaschutzprogramm beschlossen hat, dessen Umsetzung die Nutzung der Windenergie am Standort Leveste beinhaltet, da die Anlagen dafür sorgen, dass weit über 50% des Stromverbrauchs in Gehrden emissionsfrei erzeugt werden?

Vielleicht hat Ihnen auch noch niemand gesagt, dass es in Deutschland aus guten Gründen einen Privilegierungstatbestand für die Windenergienutzung gibt und die Flächenausweisungen im Regionalen Raumordnungsprogramm die Konzentration auf die verträglichsten Standorte bewirkt.

Sollten Sie das alles aber schon gehört haben und sich trotz dieses Wissens zum Initiator einer BI in Leveste machen, dann frage ich mich, was Sie in der CDU machen oder anders herum, ob sich die CDU in Gehrden vor der Kommunalwahl aus der Verantwortung für Ihre eigenen Beschlüsse stehlen möchte."

Udo Sahling

Barsinghausen

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Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich sinnwahrende Kürzungen vor. Nicht alle Zuschriften können veröffentlicht werden.

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Ernst-Richard Köper schrieb am 11. April:

 

"Die von Ihnen gewählte Form, um mit mir in Kontakt zu treten - den offenen Brief - finde ich vollkommen legitim und habe ich nicht zu kritisieren. Etwas problemtisch ist allerdings, dass Sie sich dabei als der neutrale Bürger Sahling aus Barsinghausen präsentieren. Als der Geschäftsführer der Klimaschutzorganisation der Region Hannover sind Sie in Wahrheit nicht ganz so neutral, sondern ein Stück weit auch Partei.

 

Vollkommen überzogen finde ich in Ihrem Schreiben den Begriff "Hetzkampagne". Eine "Hetzkampagne" ist laut Wikidedia die Steigerung einer Schmutzkampagne, "die die Zielperson(en) durch bewusste Mobilisierung von Hass und Aufrufen zur Gewalt an Leib und Leben bedroht." Wollen Sie das meinen Mitstreitern und mir wirklich attestieren? Letztlich zeigt diese Wortwahl doch nur, wie sehr die Diskussion um die Windenergie auf der Seite, der Sie zu zurechnen sind, ideologisch aufgeladen ist.

 

Zehntausende von CDU-Mitgliedern sind derzeit in der Flüchtlingsfrage mit der Politik der Kanzlerin nicht zufrieden. Nach Ihrer Lesart müssten die alle einen Parteiaustritt in Erwägung ziehen. Der Stadtverband der CDU Wennigsen und der Stadtverband der CDU Barsinghausen beziehen eine kritische Position zu den neuen Windkraft-Plänen der Region. Sollen die jetzt geschlossen ihre Parteibücher zurückgeben?

 

Natürlich habe ich mich in meinem eigenen Stadtverband mehrfach vergewissert, ob ich mich im Widerspruch zur Haltung der CDU-Gehrden befinde. Das hat mein Stadtverbandsvorsitzender immer verneint, zuletzt erst gestern.

 

Sehr geehrter Herr Sahling, ich weiß nicht ob Sie Mitglied einer Partei sind, jedenfalls sind Sie nicht Mitglied der CDU. Es ist schon ein kurioser bis befremdlicher Vorgang, wenn ein Nicht-Mitglied einem Mitglied Nachhilfeunterricht darin geben will, wie man sich Partei-konform zu verhalten hat."

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ernst-Richard H.-Köper

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Udo Sahling schrieb am 11. April: 

"Zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen und Behauptungen:

1. Ich habe bewusst als Privatperson agiert, weil es mir als Bürger zunächst einmal darum gegangen ist, Ihre Vorgehensweise als Politiker‎ zu kritisieren, der Besorgnisse und Ängste schürt und als Gründer einer Bürgerinitiative gegen alle Beschlüsse ihrer eigenen Partei arbeitet.

2. Ich habe auch nicht vor, Ihnen Nachhilfeunterricht in Sachen‎ Parteikonformität zu geben. Ich stelle als Bürger nur fest, dass ihr Agieren mit den öffentlich zugänglichen Beschlüssen, Programmen und Verlautbarungen der CDU in Gehrden, in der Region Hannover, im Land Niedersachsen und auf Bundesebene nicht übereinstimmt.

3. Als Hetzkampagne bezeichne ich die Art und Weise wie Sie sich und Ihre Meinung zum Maßstab machen und wörtlich formulieren: „Wir werden den Levester angesichts der kommenden Kommunalwahl jedenfalls dringend empfehlen, sich genau anzusehen, welche Gehrdener Politiker dieser Vorlage zustimmen und welche nicht“. Sie vergessen zu erwähnen, dass diejenigen, die einer solchen Vorlage zustimmen werden, nichts anderes tun werden, als rechtskonform zu agieren.

 Als Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Region Hannover stelle ich fest, dass alles, was Sie bisher in der Sache zum Thema Windenergie oder Repowering vorgetragen haben, jeder sachlichen und vor allem rechtlichen Grundlage entbehrt. In dieser Funktion vertrete ich meinen satzungsgemäßen Auftrag, nämlich den Klimaschutz in der Region Hannover voranzubringen, aus politischen Diskussionen halte ich mich heraus. Das fällt mir umso leichter als ich keiner Partei angehöre.

Lassen Sie mich hinzufügen, dass wir als Klimaschutzagentur im Rahmen unseres 18. Windfestes Bürgern aus Gehrden und Umgebung, im September Gelegenheit geben wollen,  sich zur Nutzung der Windenergie und auch zum Repowering zu informieren. Ich werde als Geschäftsführer der Klimaschutzagentur der Stadt Gehrden darüber hinaus anbieten, Anfang Mai unsere kleine Ausstellung zum Thema Windenergie zu präsentieren und im Rahmen einer kleinen Veranstaltung vorzustellen. Ich würde mich freuen, wenn wir dann direkt miteinander sprechen und unsere Argumente austauschen könnten.

Im Übrigen, wenn Sie mit Ideologie das Eintreten für Klimaschutz und Energiewende sowie für rechtsstaatliche Grundsätze und für das Allgemeinwohlprinzip meinen, dann bin ich gerne Ideologe."

 

Udo Sahling

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bri / 10.04.2016 / 12.04.2016, 12.04.2016, 19:58
Redakteure CON

Kommentare

brischa - , 11.04.16 21:51:
Udo Sahling, was soll denn dieser Kommentar? Wir haben Meinungsfreiheit in Deutschland. Wir brauchen keine weiteren Windräder im Calenberger Land. Wir wissen doch alle, dass Windenergie das Problem nicht lösen wird. Die verpulverten Milliarden sollten lieber in Forschung und Technik investiert werden.

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