Kindler: „Integration wird in Gehrden wirklich gelebt"

Diskussionsrunde über ein neues Miteinander mit Adam Wolf (von links), Sven-Christian Kindler, Nicole van der Made, Peter Radike und Nahid Nateqi.

Gehrden. 

Wie sieht eine menschenrechtsbasierte Asyl- und Flüchtlingspolitik aus? Wie können wir uns rassistischer Hetze entgegenstellen? Dies waren die beiden Grundthemen beim Diskussionsabend „Klare Kante gegen rechts – Aufbruch für erfolgreiche Integration und ein neues Miteinander“, zu dem der grüne Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler und die Gehrdener Grünen in das Restaurant Park:Geflüster eingeladen hatten.
Adam Wolf, Journalist in Krisengebieten und Kapitän auf dem zivilen Flüchtlingsschiff „Sea Watch I“ berichtete von der aktuellen Situation der Flüchtlingsströme mit der lebensgefährlichen Fahrt über das Mittelmeer. „Nicht zurückbringen, ich will lieber sterben“, sind die ersten Worte der Geretteten, die an Bord der Rettungsschiffe aufgenommen werden. Diese Aussage macht deutlich, wie lebensbedrohlich die Situation in den Herkunftsländern der Flüchtlinge ist. In eindringlichen Fotografien zeigte Adam Wolf die überfüllten Flüchtlingsboote und die katastrophale Lage der Flüchtlinge auf den Booten, zerstörte Boote ohne das Wissen über den Verbleib der Mitfahrer und angeschwemmte Leichen von Kindern und Erwachsenen an den Stränden des Mittelmeeres. Die Bilder sprachen für sich.

Nahid Nateqi berichtete von ihrer Flucht aus Afghanistan vor mehr als 25 Jahren. Mit ihrer guten Ausbildung als Bauingenieurin gehörte sie zu den wohlhabenden Familien in Afghanistan. „Es war eine große Erfahrung, in Deutschland als Bittsteller jeden Monat die Sozialhilfe abzuholen. In Gehrden hatte man keine Erfahrung mit Flüchtlingen. Wir haben viele Hindernisse erlebt“, so Nahid Nateqi, die heute ehrenamtlich als Dolmetscherin in der Freiwilligen Agentur in Gehrden mitarbeitet. Heute übernehmen die ehrenamtlich Tätigen die Betreuung und Begleitung der Familien. „Vieles ist sehr viel besser geworden. Aber das Erlernen der Sprache ist immer noch das Wichtigste“, so Nateqi.

Peter Radike vom Arbeitskreis Willkommenskultur nannte Zahlen. In Gehrden und seinen Ortschaften sind derzeit 290 Flüchtlinge dezentral untergebracht, darunter 155 Erwachsene und 135 Kinder. „Die ehrenamtliche Arbeit mit den Flüchtlingen erfordert viel Geduld. Der Marathon einer erfolgreichen Integration beginnt jetzt“, erklärte Peter Radike, der auch die Gehrdener Tafel leitet.

Bundestagsabgeordneter Sven-Christian Kindler hatte sich bei mehreren Informationsbesuchen über die Hilfen zur Integration in Gehrden informiert. „Integration wird in Gehrden wirklich gelebt. Das Engagement der ehrenamtlichen Helfer in den Kommunen ist beachtlich“, so Kindler. Er fordert eine größere Unterstützung der Kommunen durch die Bundesregierung. Die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte werden jetzt erkennbar. Die Förderung des sozialen Wohnungsbaus, eine aktive Arbeitsmarktpolitik, eine verbesserte Bildung, die Betreuung in Kindergärten und Schulen sind große Herausforderungen für die Politik“, so Kindler.

Nicole van der Made, Ratsfrau und Grüne Spitzenkandidatin für die Regionsversammlung, führte durch die Diskussion.

 

 

we, 30.06.2016, 14:31
Redakteure CON

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