Kommunalwahl: Ist die Stadt auf den Zuzug junger Familien eingestellt?

Symbolfoto.

Gehrden. 

Die künftigen Ratsfraktionen werden sich in den nächsten Jahren intensiv mit der demografischen Entwicklung der Stadt beschäftigen müssen. CON hat nachgefragt:

"Wie stehen Sie zum 3. Bauabschnitt Langes Feld? Ist Gehrden auf den Zuzug junger Familien eingestellt und kann deren Bedürfnisse an Betreuungsplätzen und Unterrichtsmöglichkeiten decken? Woran mangelt es Ihrer Meinung?"

CDU: In der Kernstadt Gehrden und in fast allen Ortschaften sind Wohngebiete in die Fläche realisiert worden oder bereits in Planung. Aufgrund der dadurch verursachten Aus- bzw. sogar Überlastung der Infrastruktur sollte in den nächsten Jahren kein weiterer massiver Bau in die Fläche geschehen. Die Erneuerung und Sanierung der Wohnhäuser im Altbestand aus den 50er, 60er Jahren und früher sollte Vorrang haben. Die Sanierung der Straßen und Radwege muss nach Dringlichkeit abgearbeitet werden.

Wir fordern seit längerem von der Stadtverwaltung wohlüberlegte und nachhaltige stadtplanerische Entscheidungen vor der Planung neuer Infrastrukturprojekte. Die Verkehrs- und Zufahrtswege zu den Neubaugebieten in der östlichen Gehrdener Kernstadt dürfen Anwohnerinnen und Anwohner bestehender Wohngebiete nicht einseitig belasten. Baulastverkehre zum künftigen Neubaugebiet Gehrden-Ost III dürfen nicht durch bestehende Wohngebiete gehen. Schon heute sind auch die Zufahrtssituation zum Neubaugebiet Großes Neddernholz und die Verkehrssituation an der Ronnenberger Straße / Ecke Robert-Bosch-Straße alles andere als optimal geplant. Immer wieder entstehen an der Kreuzungen von Straßen / Radwegen und durch parkende Lastwagen sowie an unübersichtlichen und schwer einsehbaren Kreuzungen hoch gefährliche Situationen für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer. Klare Ampelschaltungen, neue Kreisverkehre und Verkehrsregeln zum Schutz insbesondere der Kinder und ggf. Parkverbotsregelungen an den Zufahrtswegen zu den Neubaugebieten müssen dringend überprüft bzw. neu installiert werden. Die Stadtverwaltung muss auch gemeinsam mit der Regionsverwaltung vor der Erschließung des Neubaugebietes Gehrden-Ost 3 eine mittelfristige Anbindung an die K 231 prüfen. Eine solche Anbindung an die Kreisstraße mit einer klugen Verkehrskreisellösung wäre vermutlich die idealste und wirkungsvollste Entlastung für alle Neubaugebiete.

Die Lebensbedingungen von Familien haben sich gewandelt, die Bedürfnisse verändert. Die Gehrdener CDU wird sich deshalb für die quantitative Ausweitung der Betreuungsangebote sowie die inhaltliche Weiterentwicklung der Betreuungskonzepte weiterhin einsetzen, damit allen Eltern ein bedarfsgerechtes und gesetzeskonformes Angebot zur Verfügung steht.

SPD: Die SPD unterstützt das Baugebiet Langes Feld III. Auch hier wird es wieder das von der SPD initiierte Förderprogramm ( Kindergeldbonus und Förderung von ökologischen Standards) geben. Es wird ein vor vielen Jahren in Gang gesetztes Szenario fertig gestellt. Allerdings ist es für die Bewohner der umliegenden Baugebiete wichtig, die Belastungen durch Lärm und Baufahrzeuge durch ein intelligentes Baumanagement möglichst gering zu halten. Eine Anbindung an die K231 sollte mindestens für die Bauphase durchgesetzt werden. Darüber hinaus bleiben die Ergebnisse des Verkehrsgutachten für das gesamte Areal abzuwarten. Eine Verschlechterung der Parkplatzsituation in den umliegenden Baugebieten muss durch die Schaffung von ausreichenden Parkraum vermieden werden.

Das Betreuungsangebot muss entsprechend dem Zuzug von Familien angepasst werden. Dies betrifft junge und alte Familienmitglieder. Hier ist die Verwaltung der Stadt Gehrden in Zusammenarbeit und mit und großer Unterstützung der SPD auf einem guten Weg. Kitas, Hortplätze, Hausaufgabenbetreuung, der Jupa , die Sozialstation und Tagespflege sind vorbildliche Institutionen in der Region.

Bündnis 90/Die Grünen: Die Grünen stehen der Entwicklung des 3. Bauabschnittes „Langes Feld“ ablehnend gegenüber. Immer mehr guter, potenzieller Ackerboden geht verloren, wird bebaut und umliegende Flächen werden versiegelt – Flächen für möglichen ökologischen Landbau und Flächen zur Klimaregulierung.

Schon derzeit haben wir einen Mangel an Sportflächen, Plätzen in Kindertagesstätten und den Grundschulen zu verzeichnen. Es muss, angelehnt an den dann provozierten Zuzug von Bürgerinnen und Bürgern, die Infrastruktur bezüglich der „Kinderbetreuung“, „Schule“, „Sport“ und „Jugend“ ausgebaut werden.

Eva Kiene- Stengel

FDP: Unsere Stadt ist wegen der allgemeinen demographischen Entwicklung auf den Zuzug junger Familien angewiesen. Nur so wird sie auch für die bereits hier Lebenden attraktiv und lebenswert bleiben. Die Verdichtung der bisherigen Wohnbebauung in der Kernstadt und in den Ortschaften genügt dafür nicht, wie die enorme Nachfrage nach Baugrundstücken in Neubaugebieten zeigt. Die FDP unterstützt deshalb die nochmalige Erweiterung des Wohngebiets „Langes Feld“. Um den Verkehr auf dem Beethovenring, der Schulstraße und der Robert Bosch-Straße zu entlasten, wünscht sich die FDP aber eine Anbindung der Gebiete Großes Neddernholz und Gehrden-Ost an die Kreisstraße K231n. Soweit für die Neubürgerinnen und Neubürger weitere Betreuungsplätzen und Unterrichtsmöglichkeiten geschaffen werden müssen, unterstützt die FDP die Idee einer Umwidmung des bisherigen Gebäudes der Grundschule „Am Langen Feld“ zu einem Kindergarten und den Bau eines neuen, auf drei Züge angelegten Grundschulgebäudes auf dem Bolzplatz zwischen AWO-Residenz und Haus Gehrden.

Alternative für Deutschland (AfD): 

- Für den 3. Bauabschnitt ist eine Zuwegung über die Kreisstraße unabdingbar, um den Verkehr vor dem Kindergarten zu entlasten

- Mangel an Kindergartenplätzen

- Platzmangel an den Grundschulen – bereits jetzt läuft die 1. Klasse fünfzügig, davon eine Klasse im Container

Die Linke: Der Stadtverwaltung ist durchaus zuzutrauen, den Bedarf an Betreuungs- und Bildungsplätzen richtig geplant zu haben. Dennoch wäre es in Anbetracht der im Haushaltplan 2016 prognostizierte Zunahme der Pro-Kopf-Verschuldung in Gehrden wichtig, einmal durchzurechnen, in welcher Höhe sich Einnahmen und Kosten der Ausweisung eines Neubaugebietes gegenüber stehen, insbesondere wenn man den zusätzlichen Bedarf an Kitaplätzen und Schulklassen mit einrechnet.

bri, 06.09.2016, 19:40
Redakteure CON

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