Kommunalwahl: Sollen Stadt und Politik die Geschäftsleute unterstützen?

Symbolfoto.

Gehrden. 

Die künftigen Ratsfraktionen werden sich noch eine Weile mit der Sanierung der Gehrdener Innenstadt beschäftigen müssen. CON hat nachgefragt:

"Viele Geschäftsleute klagen über ihre wirtschaftliche Situation während der Innenstadtsanierung. Sollten Politik und Stadt sich einbringen, um die Geschäftsleute während der Bauarbeiten zu unterstützen? Wenn ja, wie? Und sollte das vorgestellte Einzelhandelsgutachten umgesetzt werden?"

CDU: Unsere Innenstadt muss wieder Mittelpunkt der Begegnung werden. „Vom Dammtor bis zum Steintor“ soll die Innenstadt als Einkaufsstandort belebt werden. Nötig sind mehr Begrünung, viele Sitzgelegenheiten, Plätze für Kinderspiel, mehr Parkmöglichkeiten und kostenfreier drahtloser Internetzugang (W-LAN). Wir brauchen die nachhaltige Ansiedlung von Einzelhändlern, Dienstleistern, Handwerk und Gastronomie. Wir regen die Gründung einer Standortgemeinschaft unter Federführung der Verwaltung und des Bürgermeisters an, in der neben dem Einzelhandel und der Verwaltung auch die Immobilienbesitzer, Projektentwickler und Investoren an einem Tisch sitzen.

Die Verwaltung hätte sich schon eher durch eine frühzeitiges und umfangreiches Information- und Marketingkonzept einbringen müssen. Damit wären die Umsatzrückgänge während der Bauzeit zwar nicht zu kompensieren gewesen, aber die Geschäftsleute hätten sich besser darauf einstellen können, bzw. selbst agieren können und müssen. So wäre es jedem möglich gewesen Kapazitäten anzupassen, durch gezielte Werbung und  in der Bauphase auf sich aufmerksam zu machen.

Seitens der Verwaltung wäre zu prüfen gewesen ob Sie in dieser Zeit die Geschäftsleute durch ein gezieltes und temporär eingesetztes Marketingkonzept unterstützt. Auch wäre es eine Möglichkeit gewesen innerhalb der leerstehenden Gebäude. (z. B.: ehem. Rossmann ) Flächen auf Zeit anzumieten. So zum Beispiel im alten Rossmannladen in Form einer kleinen Markthalle (Ideenbörse).

Bei dem vorgelegten Einzelhandelsgutachten (Grundvoraussetzung für eine Erweiterung von Aldi) handelt es sich um eine Analyse der derzeitigen Verkaufsflächen, Standortlagen und räumlichen Strukturen. Diese Analyse ergab, daß alle Bewohner der Kernstadt, bis die einiger Straßen in Waldnähe am Krankenhaus, ihren täglichen Bedarf mit einer Gehzeit von 10 Minuten (= ca. 700m) decken können. Auf der Grundlage dieser Analyse zeigt das Gutachten diverse Empfehlungen auf, z.B.: Das Hauptzentrum der Innenstadt ist schützenswert, was bei jeder Entwicklung von Standorten in Randlagen beachtet werden sollte. Es ist somit nur ein Werkzeug (Hilfsmittel) und sehr hilfreich für eine strategische Planung der Infrastruktur in Gehrden, es kann nicht 1:1 umgesetzt werden.

SPD: Die Innenstadtsanierung wurde angeschoben um die Gehrdener Innenstadt zukünftig attraktiver für Geschäftsleute und die Gehrdener Bürgerinnen und Bürger zu gestalten. Dass es während der Bauphase zu Einschränkungen kommen kann war klar, da unvermeidbar, und wurde im Vorfeld mit den ansässigen Geschäftsleuten eingehend besprochen. Die SPD wird, wie bisher, auch die nächsten Bauabschnitten unterstützen und mithelfen, Lösungen in Zusammenarbeit mit der Verwaltung für die Probleme der betroffenen Geschäftsleute zu finden. Zum Beispiel geänderte Parkplatz-Regelungen. Wir sind davon überzeugt, dass am Ende alle von der attraktiven Fußgängerzone profitieren werden.

Bündnis 90/Die Grünen: Ja, Stadt und Politik sollten die Geschäftsleute während der Bauarbeiten unterstützen, indem sie Aktionen in der Innenstadt starten, wie z.B. Poetry Slam, Kino, Flohmarkt, gemeinsames Frühstück auf dem Marktplatz oder andere Aktionen, um Menschen in die Innenstadt zu holen. Weitere Marktzeiten einrichten.

Es sollte eine Umfrage geben, in der die Geschäftsleute anmerken können, was sie brauchen und geprüft wird, was davon umgesetzt werden kann. Und natürlich könnten Ratsmitglieder und Verwaltungsangestellte so weit möglich ihre Einkäufe in der Innenstadt erledigen.

Wir sollten eine Wirtschaftsförderin, einen Wirtschaftsförderer nach Wunstorfer oder Wennigser Vorbild beschäftigen. Das Einzelhandelsgutachten sollte meiner Meinung nach nicht umgesetzt werden. Die Vorschläge, die in dem Konzept stehen, werden unsere Innenstadt nicht beleben. Allerdings könnte unsere Innenstadt von einer Wirtschaftsförder*in, einem Mehrgenetationenhaus in der Fußgängerzone und kulturellen Veranstaltungen in der Innenstadt profitieren. Zum Beispiel würde ich im Rahmen des Stadtfestes den Einzelhandel mit einbeziehen, so dass die Geschäftsleute dort Ihre Speisen und Getränke verkaufen können statt anderen Anbietern dafür eine Plattform zu bieten.

Garonne van der Made

FDP Gehrden: Dass eine große Innenstadtsanierung einschließlich zwingend notwendiger Kanalisationsarbeiten durchgeführt wird, war seit langem bekannt. Die jetzt zweifelsohne negativ betroffenen Geschäftsleute werden nach Abschluss der Sanierung ein deutlich verbessertes Umfeld haben. Zur Bewältigung der aktuellen Belastungen sollte es einen regelmäßigen Runden Tisch mit den betroffenen Geschäftsleuten, Eigentümern und Mietern auf der einen Seite und dem zuständigen Fachbereich der Stadt und dem Bauausschuss sowie den in die Sanierung einbezogenen Baufirmen auf der anderen Seite geben. Auch unser „Baustellenkümmerer“ Edmund Jansen sollte im Amt bleiben. Die FDP schlägt überdies vor, nach Abschluss der aktuellen Baumaßnahmen zwischen Steintor und Neue Straße eingehend Bilanz zu ziehen und zu überlegen, welche Dinge bei den kommenden Sanierungsarbeiten zwischen Neuer Straße, Markt und Dammtor besser gemacht werden können. Das Einzelhandelskonzept für Gehrden bringt im Wesentlichen Vorschläge für Weiterentwicklungen am Rande der City, nämlich für das Gelände der Alten Tennishalle und für das Gelände der Kleingartenkolonie am Stadtweg. Was den zentralen Innenstadtbereich zwischen Steintor und Dammtor angeht, liefert es zwar wertvolles Zahlenmaterial, nicht jedoch ganz neue Erkenntnisse. Das Gutachten ist aber ein Aufruf „Kaufen Sie vor Ort ein!", wenn es feststellt, dass wir Gehrdener Bürgerinnen und Bürger z.B. nur etwa 70 Prozent unserer Ausgaben für Lebensmittel bei Händlern in unserer Stadt tätigen.

Alternative für Deutschland (AfD): 

 

- Wir verstehen die Klagen

- Die Bauarbeiten müssten besser koordiniert und viel zügiger durchgeführt werden

Die Linke: Die Kanalisation muss etwa alle 50 Jahre erneuert werden, und das geht nicht, ohne nicht die ganze Straße aufzureißen. Dass einzige, was sich überlegen ließe, wäre, ob dies nicht auch im Winter zu machen ist, wenn die Eisdiele zu hat und das Wetter die Menschen im Cafe eh drinnen sitzen lässt.

In Bezug auf das Einzelhandelsgutachten: Falls wirklich versucht werden soll, einen Discounter oder Supermarkt in der „‘Goldene Meile‘ der Innenstadt zwischen Steintor und Dammtor‘“ anzusiedeln (um einen höheren Anteil der Supermarktumsätze in Gehrden zu halten) müsste ein hinreichend große Geschäftsfläche gefunden werden, mit Platz genug für entsprechend viele Parkplätze. Dafür gäbe es m.E. nur eine Option: Der große, unansehnliche Bau am Steinweg 17/19/21 müsste abgerissen werden und die Geschäfte, die derzeit dort ihren Sitz haben, müssten in die leerstehenden Geschäftsflächen an anderer Stelle der Innenstadt umziehen. Das alte Rewe-Grundstück in der Kirchstraße und die Brachfläche an der Alten Straße sind für die Ansprüche eines Supermarktes ja offenbar zu klein. Da es sich bei den Geschäftshäusern in der Innenstadt natürlich im Gebäude im Privatbesitz handeln, ist dies jedoch eine Situation, in der die Politik bestenfalls Vorschläge machen kann.

bri, 06.09.2016, 20:21
Redakteure CON

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