Krick: "Jede Windkraftanlage ist eine Katastrophe"*

Axel Priebs musste sich deutliche Worte anhören, reagierte verständnisvoll und erklärte die Umstände.Rund 60 Bürger aus Wennigsen und Gehrden waren gekommen.Auch Hans Mönninghoff aus Hannover war unter den Zuhörern.

Wennigsen / Region. 

Es ist eine hoch komplexe Materie, die bei Windkraftvorranggebieten, Beteiligungsverfahren und rechtlichen Grundsätzen zusammenkommt. Das wurde gestern im Wennigser Bauausschuss einmal wieder deutlich. Als Referent war der für das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) zuständige Umweltdezernent Axel Priebs vor Ort - und neben den betroffenen Ortsräten aus Wennigsen auch Ratsmitglieder aus Gehrden, der Ortsbürgermeister von Redderse und der frühere Umweltdezernent der Stadt Hannover, Hans Mönninghoff.

Priebs erläuterte, dass die Region ein Windvorranggebiet nicht alleine deshalb ausschließen dürfe, weil eine entsprechende Beschlusslage eines Orts- oder Gemeinderates vorliege. Auch der Verzicht auf die Vorranggebiete sei nicht klug: "Wir nehmen eine Konzentrationsplanung vor, da sonst an nahezu jeder Stelle in der Region ein Antrag für Windkraftanlagen erfolgen könnte". Die Region habe ein Raster mit mehreren Einschränkungen auf die Regionskarte gelegt: 800 Meter Abstand von Siedlungen, kein Wald, kein Landschaftsschutzgebiet, kein Artenschutzgebiet, kein Gebiet im Rahmen der Flugsicherung. Herausgekommen seien einige wenige Flächen wie jetzt zwischen Degersen, Redderse, Langreder, Egestorf und Wennigser Mark: "Erst im Genehmigungsverfahren, wenn also eine Anlage errichtet werden soll, wird eine Detailprüfung vorgenommen und auch dann erst wird der militärische Bereich des Luftraums klarer benannt werden", zeigte Priebs Problemfelder auf, die eine reale Bebauung mit Windkraftanlagen verhindern könnten. Aufgrund der Ausweitung des Landschaftsschutzgebiets im Osten von Degersen habe die Region die Grenze zur Siedlungsbebauung im Westen auf etwa 1000 Meter angehoben.

Viele Fragen tauchten auf, die der Dezernent zu beantworten wusste. Auch das Rotmilan-Vorkommen sei zwar von einem Institut überprüft worden, im Genehmigungsverfahren würde aber noch intensiver der Lebensraum des bedrohten Vogels überprüft. Die Bundeswehr habe erst im Nachgang erklärt, dass lediglich ein Teilbereich der Fläche im militärisch genutzten Luftraum läge - die Fläche wurde dadurch verkleinert. Auch die Modellflieger aus Egestorf zeigten sich unzufrieden mit den Plänen, liegt doch ihr Flugplatz mitten im Vorranggebiet und sind sie doch in der Flughöhe ihrer Modelle von der Flugsicherung beschnitten worden. Auch der NABU schaltete sich in die Debatte ein. Vorsitzender Gerhard Krick erklärte: "Jede Windkraftanlage ist eine Katastrophe für den Naturschutz"*. Priebs erklärte: "Naherholung und Windkraftanlagen sind vereinbar, mich stören die Anlagen dabei nicht."

Bürgermeister Christoph Meineke kritisierte, dass im Osten Degersens ein Landschaftsschutzgebiet kurzerhand aus politischen Gründen verschoben wurde, im Westen aber juristische Gründe angeführt würden, um ein Windvorranggebiet zu erhalten. Der Regionsdezernent verwies darauf, dass die Spielräume, auch der Politik, immer geringer würden und bereits einige Oberverwaltungsgerichtsurteile vorlägen. Axel Priebs erklärte im weiteren Verlauf, dass eine Höhenbegrenzung der Windkraftanlagen rechtlich in der Regel nicht mehr möglich sei: "Die Technik hat sich weiter entwickelt und wird dies weiter tun", ist er sich sicher.

Für Aufregung sorgte Hans Mönninghoff, früherer Umweltdezernent der Stadt Hannover: "Auch Klimaschutz braucht einen Anwalt. Der Standort in Degersen ist für Windkraft geeignet", provozierte der Pensionär einiges an Aufregung bei den rund 60 Teilnehmern. Walter Rasch, Ortsbürgermeister aus Degersen, stellte zur Unsicherheit des Ergebnisses der Detailprüfung im Genehmigungsverfahren noch einen weiteren Problemfall in den Raum: "Was ist, wenn die Landwirte nicht verkaufen wollen? Ich habe zwei Bauern, die ihr Land dafür nicht hergeben werden", erklärte er. Eine echte Antwort gab es darauf nicht. "Wenn der Preis stimmt, sind die dabei", war an mehreren Stellen im Raum deutlich hörbar.

Die Stellungnahme der Gemeindeverwaltung, die im Wortlaut unter dem Artikel als PDF-Datei einsehbar ist, wurde von den Ortsräten Wennigser Mark und Degersen einmütig beschlossen, der Ortsrat Wennigsen war nicht beschlussfähig. Der Bauausschuss stimmte für die Stellungnahme, nur die Grünen-Sprecher Angelika Schwarzer-Riemer und Norbert Bohnenstengel stimmten gegen die Stellungnahme.

 

 

* = Gerhard Krick empfindet sich unvollständig und daher nicht zutreffend wiedergegeben. Er erklärt: "In meiner Aussage vor dem Umweltausschuss habe ich auf den Zwiespalt der Naturschützer bezüglich Windkraftanlagen hingewiesen: Einerseits sind wir Naturschützer für regenerative Energien, also auch für Windkraft, aber andererseits ist jede Windenergieanlage eine Katastrophe für den Naturschutz. Das bezieht sich insbesondere auf Vögel, (z.B. Rotmilan und Mäusebussard) und Fledermäuse. In jedem Fall sollte daher eine Abwägung zwischen den Belangen der erneuerbaren Energie und denen des Naturschutzes erfolgen. Bei dem in Wennigsen geplanten Vorranggebiet für Windkraft habe ich diese nicht gesehen."

hug, 29.04.2016, 09:11
Dateien:
Beschlussvorlage_50-2016.pdf114 K
zur__Vorlage_RROP.pdf12.2 K
Redakteure CON

Kommentare

Zeh Kah - , 30.04.16 12:16:
Wennigsen hat den Ruf eines alternativen Ortes. Ökosiedlung, Kunst-Gewerbe und einiges mehr geben dem Ort seinen Charm.
Warum ist es nun so abwegig sich auf die sauberste Energiegewinnung die es gibt einzulassen? Ich verstehe nicht die Problematik. Atomkraft und Kohle ist ein "No Go" aber Alternativen bitte auch nicht bei uns vor der Haustür!?
Wie soll das funktionieren? Entweder man steht zur Energiegewinnung die unsere Umwelt schont und nachhaltig ist und muss sich dann auch auf die "Optik" einlassen oder alles ist nur Gerede und jeder nimmt sich dann doch selber am wichtigsten und möchte es sich schön einrichten im Leben ohne Verzicht. Das kann es nicht sein.

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