SuedLink: Geweckte Erwartungen wurden enttäuscht

Rund 300 Bürger aus Barsinghausen, Gehrden, Ronnenberg, Springe und Wennigsen verfolgten die Podiumsdiskussion im Castrum in Gehrden.Ralf Schickhaus hält den Druck einer Radierung von Ilse Gottwald mit dem Blick von der Mergelkuhle am Gehrdener Berg über Degersen zum Deister hoch: "Der Mensch lebt nicht vom Strom allein."Unterschriften gegen die Trasse wurden gesammelt.Visualisierungen sollen die Höhe der Masten verdeutlichen.Auch TenneT stand mit Informationen in der Festhalle.Neben Broschüren gab es auch Planzeichnungen und Technikschnitte.Die Karten im Foyer wurden intensiv studiert.Axel Priebs: "Sie stiften flächendeckende Verwirrung und Chaos."Thomas Wagner: "20 Mitarbeiter für Suedlink sind mit 400 Kommunen und mit 100 Bürgerinitiativen im Gespräch; wir überplanen ein Viertel der Bundesrepublik."Peter Gosslar stellte die Vorzüge der Erdverkabelung vor.Auch Gehrdens früherer Bürgermeister Hermann Heldermann war im Publikum.Matthias Miersch: "Wir werden das Gesetz verändern, um die Erdverkabelung zu stärken."Maria Flachsbarth: "Wir wollen die Energiewende, müssen sie aber bürger- und umweltverträglich gestalten."Moderatorin Verena Gonsch vom NDR führte durch den Abend.Hören zu: Miersch und Flachsbarth.Thomas Wagner: "Wir halten und an Gesetze, Verordnungen und Grenzwerte"Jens Knye, Jan-Eric Bothe: "Wir wollen hier gesund leben und alt werden"Nach unterschiedlichen Grenzwerten erkundigte sich ein Bürger aus Ihme-Roloven.Yorck Heerhorst aus Wennigsen: "Ich hatte mehr Substanz erwartet".Karl-Heinz Jung: "Die Energiewende hängt nicht von SuedLink ab".Wolfgang Schulz ist nur ein Bredenbecker, der Fragen stellte.Eine zweite Bredenbeckerin fragte nach der Erdverkabelung als Alternative.Heinrich Rodenberg, Landwirt aus Völksen, hatte zur Erdverkabelung nicht nur positive Rückmeldungen.Die Bürgerinitiative Calenberger Land macht sich Sorgen um die gesundheitlichen Auswirkungen der Trasse.Björn Frank aus Gehrden: "TenneT überplant mit 20 Mitarbeitern ein Viertel der Republik? Geht das überhaupt? Das Vorhaben ist eine landschaftspolitische Barbarei ersten Grades."Andreas Bock aus Barsinghausen: "Wieviel Energie verlieren Sie beim Transport vom Norden in den Süden?"Peter Losinski aus Linderte: "Woher kommt die garantierte Rendite von neun Prozent?"Jens Williges, Ratsherr aus Ronnenberg: "Bayern soll dezentral Energie gewinnen, wir müssen doch nicht Masten bei uns bauen, weil sie dort keine Windkraftanlagen bauen wollen."Petra Robbers aus Ronnenberg: "Das Gesetz schreibt eine Freileitung vor und das Erdkabel ist die Ausnahme?"

Gehrden / Region. 

Die Erwartungen waren enorm, die in den heutigen Abend gesetzt wurden. Endlich würde TenneT erklären, wieso die Trassenvariante quer durch das Calenberger Land in der engeren Wahl ist. Aber deren Mitarbeiter lieferte kaum das Publikum zufriedenstellende Antworten. Und am Ende knirschte es zwischen Bürgerinitiative und Bundestagsabgeordneten. Während die Politiker die Trasse als zwingend erforderlich für die Energiewende ansahen, bestritten die Vertreter der Bürgerinitiative dies.

Thomas Wagner, Tennet
Von formellen Verfahren, komplizierten Anträgen, gesetzeskonformen Verfahren, eingehaltenen Grenzwerten und größtmöglicher Transparenz sprach TenneT-Mitarbeiter Thomas Wagner. "Wir müssen alle in Frage kommenden Varianten prüfen, um die Chance auf die Trasse mit den wenigsten Konflikten zu finden", betonte er. Um Verständnis warb Wagner für das 20-Mitarbeiter umfassende SuedLink-Team, das mit 400 Kommunen und über 100 Bürgerinitiativen im Gespräch sei. "Wir überplanen ein Viertel der Bundesrepublik", erklärte der TenneT-Mitarbeiter.Dabei befolge man das aktuell gültige Gesetz: "Und da steht, dass Erdkabel nur da zulässig sind, wo wir mit dem 1.000-Meter-Korridor näher als 400 Meter an Wohnbebauung stoßen. Grundsätzlich besagt das Gesetz, dass wir eine Freileitung errichten sollen." Dabei begrüße das Unternehmen eine Gesetzesinitiative, nach der flexibler Erdkabel eingesetzt werden können. "Wir bleiben im Dialog", versprach Thomas Wagner. Im Frühjahr werde TenneT zwei Informationsveranstaltungen in der Region durchführen.

Matthias Miersch, Bundestagsabgeordneter (SPD)
Matthias Miersch kritisierte das von TenneT gewählte Verfahren: "Erst planen Sie im Osten, dann plötzlich im Westen der Region. Die Bundesnetzagentur hat aus gutem Grund ihren Antrag zurückgewiesen. Es geht eben nicht, so eine Leitung über einen Ruheforst zu verlegen. Durch ihr Vorgehen geht die Akzeptanz der Bürger verloren. Ich hatte mir eine öffentlich-rechtliche Netzgesellschaft gewünscht, das war aber nicht machbar in den Koalitionsverhandlungen. Wir brauchen allerdings eine solche Trasse und müssen jetzt für eine Erdverkabelung das Gesetz ändern."

Maria Flachsbarth, Bundestagsabgeordnete (CDU)
Maria Flachsbarth betonte die Bedeutung der Energiewende: "Wir müssen den Übergang von der Atomkraft zu Windkraft, Photovoltaik, Gas und Biomasse umwelt- und vor allem bürgerfreunlich gestalten. Wir prüfen auch dezentrale Konzepte. Warum TenneT nicht gleichzeitig die Trasse im Osten und die jetzige im Westen der region vorgelegt hat, bleibt offen. Auch, warum die Trasse durch dicht besiedeltes Gebiet führt statt sie im weniger dicht besiedelten Osten wie ursprünglich vorgesehen verlaufen zu lassen. Ich wünsche mir, dass wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern eine gemeinsame Linie verfolgen."

Jens Knye und Jan-Eric Bothe, Bürgerinitiative
Die Sprecher appellierten an die Bürger, auf die Fristen im späteren Verfahren zu achten. Außerdem kritisierten sie, dass die Gesundheitsbelastung noch völlig unklar sei und die Folgen - insbesondere auch für die Naherholung, nicht abzusehen seien. "Drei Trassen sollen am Ende durch das Calenberger Land führen und wir wurden völlig überrumpelt. Wir haben keine Informationen und auch keine Bürgerbeteiligung erfahren. Wir wollen, dass die Bürger beteiligt werden und wir und auch noch unsere Kinder hier gesund alt werden können."

Axel Priebs, Regionsumweltdezernent
"Ich mache mir ganz große Sorgen, es muss umgesteuert werden um das Projekt wieder auf die richtige Spur zu setzen. Bis heute ist nicht klar, wie die Varianten abgewogen wurden. Stattdessen darf jeder eine Trasse in eine Landkarte malen, TenneT wirft ein Wollknäuel über die Region und stiftet flächendeckende Verwirrung und Chaos. Das ist volkswirtschaftlicher Unsinn. Transparenz ist zwingend erforderlich, und am Ende werden trotzdem nicht alle zu 100 Prozent einverstanden sein - aber der größte Teil muss dahinter stehen."

hug, 30.01.2015, 23:19
Redakteure CON

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