Windkraft: Große Einigkeit oder doch Wahlkampf-Thema?

Martina Degenhardt (SPD), Inga Behre (CDU), Sören Lindner (JU), Hans-Jürgen Herr (FDP) und Tobias Rehm (JU) demonstrierten Geschlossenheit.

Wennigsen. 

In den letzten vier Wochen haben sich CDU-Regionskandidatin Inga Behre und FDP-Fraktionschef Hans-Jürgen Herr darum bemüht, beim Widerstand gegen die Änderungen im Regionalen Raumordnungsprogramm einen größtmöglichen Konsens des Gemeinderates zu demonstrieren. Regelmäßige Informationsstände zu den geplanten Winkdkraft-Vorranggebieten in Degersen führten sie zuletzt auch gemeinsam mit der SPD durch. 650 Unterschriften sind so zusammengekommen, die in der morgigen Sonder-Ratssitzung übergeben werden. "Ein Zeichen dafür, dass in Wennigsen sachorientierte Politik gemacht wird, über die Parteigrenzen hinaus", findet Inga Behre.

FDP-Fraktionschef Hans-Jürgen Herr kündigte am Wochenende einen Änderungsantrag zur Stellungnahme der Verwaltung zum RROP (wir haben berichtet) an. Herr wünscht sich eine Präambel vor der Stellungnahme, die sich klar gegen die Ausweisung eines Windvorranggebietes ausspricht. Inhaltlich stellt er auf die kurzfristige 180-Grad-Wende der Regionsverwaltung ab und zweifelt an ihrer Glaubwürdigkeit. "Weder die Natur noch die Menschen dürfen gefährdet sein. Solange dies nicht nachhaltig sichergestellt ist, gebietet die politische und sachliche Vernunft, im Zweifel der vorherigen eigenen Argumentation gegen die Ausweisung von Windvorrangflächen an diesem Standort zu folgen." Außerdem beantragt Herr, die Stellungnahme dahingehend zu verändern, dass der Rote Milan nicht "häufig", sondern regelmäßig in der Degerser Feldmark gesehen wird.

Bis auf die Grünen dürfte es soweit einen breiten Konsens in der Sache geben. Die Umweltpartei hatte in einer Stellungnahme (wir haben berichtet) erklärt, dass die Grünen-Fraktion sich nach langen öffentlichen Diskussionen bereits 2013 für die Überprüfung des Vorranggebietes zur Genehmigung der Nutzung von Windenergie positioniert habe und unterstützt auch weiterhin die Pläne zum Raumordnungsprogramm der Region Hannover. "Die Entscheidung des damaligen Gemeinderates im Dezember 2013 war mit einer Mehrheit von 18:13 Stimmen gegen das Vorranggebiet getroffen worden, was aber nicht als überwältigende Mehrheit angesehen werden kann", erinnerten die Grünen.

Am Wochenende meldete sich auch CDU-Gemeindeverbands-Vorsitzender Ernst Herbst zu Wort: "Die CDU Wennigsen sieht keinen Vorrang für Windräder mit unbegrenzter Höhe im Gemeindegebiet. Der von der Region ausgerufene Wettbewerb, um möglichst viele und hohe Windräder, kann gerne außerhalb des Deistervorlandes stattfinden. Für Wennigsen wollen wir diesen Wettlauf verhindern", betont Herbst. "Jetzt liegt es an den Regionsabgeordneten, ob sie dieser Kehrtwende (der Regionsversammlung) folgen. Unsere wirtschaftliche Zukunft ist gefährdet, wenn heute fragwürdige Vorhaben mit den Folgen sozialistischen Schlendrians im Jahr 1986 und den 18.000 Ertrunkenen in Japan begründet werden. Mit solch „konsequenten“ Pauschalargumenten ist bereits versucht worden, die Kabelmasten zwischen Degersen und Deister beim SuedLink durchzusetzen", unterstreicht Herbst. "Weil wir hinter einer guten Energiewende stehen, wollen wir, dass Deutschland dabei technologisch führend bleibt und nicht planlos agiert. Daher hat sich die CDU Wennigsen im Juni 2015 für die innovative Erdverkabelung beim Suedlink aktiv eingesetzt. Dies übrigens als einzige Wennigser Partei", zeigt Herbst auf.

cms, 09.05.2016, 05:59
Redakteure CON

Kommentare

GFW-Wennigsen - , 09.05.16 18:26:
Die Gemeinschaft Freier Wähler in der Region Hannover, GFW, hat sich schon früh gegen den weiteren Ausbau der Windkraft in der Metropolregion Hannover ausgesprochen. Die Dichte an Windenergieanlagen ist in der Region bereits jetzt hoch im Vergleich zu anderen Metropolregionen.
Die GFW steht der Windkraft als Quelle erneurbarer Energie grundsätzlich positiv gegenüber und hält Windkraft im Zuge der Energiewende für unerlässlich. Allerdings sehen wir uns mittlerweile der Tatsache ausgesetzt, dass es in "windigen" Zeiten durch ein Überangebot an Strom zu instabilen Verteilernetzen kommt, während in windstillen Zeiten nicht genügend Strom aus Windkraft zur Verfügung steht. Windkraft als solche ist nicht grundlastfähig. Der Ausgleich zwischen den Netzen, Redispatch genannt, ist aufwendig und verursacht hohe Kosten. Im Jahre 2015 waren dies ca. 1 Milliarde Euro, Tendenz weiter steigend. Diese Kosten zahlen wir Verbraucher mit dem immer weiter steigenden Strompreis.
Die GFW befürwortet deshalb ein Moratorium beim weiteren Aus- und Zubau von Windenergieanlagen. Stattdessen solllten in der Region Hannover in großem Stile Speichermöglichkeiten für Strom aus erneuerbaren Energieträgern gefördert werden. Die technischen Möglichkeiten dazu gibt es längst. Für die Region Hannover besteht im Ausbau der Speichertechniken für "grünen" Strom die Möglichkeit, zu einem auf diesem Gebiet technologisch führenden Standort zu werden.
Es liegt an unseren Politikern, jetzt dazu die Weichen zu stellen.
Unsere beiden Regionsabgeordneten, Herr Dieter Böversen und Herr Torsten Jung, werden sich dahingehend bemühen und ab Oktober 2016 dies auch noch mit weiteren Abgeordneten für die Gemeinschaft Freier Wähler in die Wege leiten. Wir hoffen dazu auf regen Zuspruch der Wählerinnen und Wähler.

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