In der SPD kracht es gewaltig

Der langjährige SPD-Ratsherr Jürgen Kruse tritt zum 10. September aus der Partei aus.

Ronnenberg / Wennigsen / Springe. 

Kurz vor der Kommunalwahl kracht es gewaltig bei der SPD. So rechnet Ronnenbergs SPD-Ratsherr Jürgen Kruse in einem offenen Brief mit seiner Partei ab, aus der er zum 10. September austritt. Seine Kandidaturbewerbung war offenbar abgelehnt worden, weil sein Abstimmungsverhalten im Rat nicht immer parteikonform gewesen war. In der SPD Springe wird gegen Regionspräsident Hauke Jagau und die Regions-SPD gepöbelt (L.ON berichtete) und in Wennigsen gibt es Kritik von SPD-Politikern, die von ihrer Partei nicht mehr zur Wahl aufgestellt wurden (CON berichtete).

Hier die Erklärung von Ronnenbergs SPD-Ratsherr Jürgen Kruse im Wortlaut:

"Dem nächsten Rat der Stadt Ronnenberg werde ich nun nicht mehr angehören. Gern hätte ich nochmal kandidiert, jedoch hat die SPD meine Bewerbung abgelehnt mit der Begründung, weil mein Abstimmungsverhalten im Rat nicht immer parteikonform gewesen war und ich dem Kandidaten aus der Abteilung Ihme-Roloven mit einem unerwünschten Stimmensplitting schaden würde.

In den zehn Jahren meiner Amtszeit habe ich zweimal gegen die Fraktion gestimmt, weil es mir wichtig war, auch für Ronnenberg und Empelde einen Ortsrat zu installieren. Hoch lebe der Fraktionszwang in der SPD, zumal die Mehrheit der SPD in diesen Abstimmungen nie gefährdet war. Der Fraktionsvorsitzende Dieter Schur war darin nicht umzustimmen.

Elf Jahre habe ich die SPD Ronnenberg geführt, bis ich den Rückhalt in der Abteilung verloren habe, weil ich Rudi Heim aus wahltaktischen Gründen auf den 4. Platz der Liste setzen wollte und nicht auf 1. Platz, da er nicht bekannt genug in der Stadt gewesen war. Damals bin ich dafür mit dem unsicherem 7. Listenplatz abgestraft worden, aber „leider“ als erster direkt gewählter Kandidat in den Rat eingezogen.

Fünf Jahre lang davor bin ich als stellvertretender Bürgermeister das Gesicht der Ronnenberger SPD gewesen. Meine Tätigkeit in diesem Ehrenamt, was mir persönlich viel bedeutet hat, wurde von den Parteioberen beharrlich totgeschwiegen. Genauso wie in den vergangenen Jahren allen politischen Gesprächen, die ich suchte, ausgewichen wurde und der persönliche Kontakt sich auf Guten Tag und Guten Weg beschränkte.

Dafür hat mich der Zuspruch aus der Bevölkerung mehr als entschädigt und bestärkt.

Ich habe nicht vor, mich sang- und klanglos von der politischen Bühne zu verabschieden. Nein, ich werde meine ganze Kraft in den neuen Seniorenberat einbringen und im Vorstand des SoVD und Stafero weiterhin Akzente setzen.

Aber einer Partei, die so mit ihren Leistungsträgern umgeht, kann ich nicht angehören und konsequenter Weise habe ich zum 10. September meinen Austritt aus der SPD erklärt."

bri, 09.09.2016, 08:58
Redakteure CON

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