Wahlausgang: Freud und Leid dicht beieinander

Hans-Jürgen Herr: "Dass ich ein so tolles persönliches Ergebnis bekomme, damit hatte ich nicht gerechnet"

Wennigsen. 

Knapp 24 Stunden nach dem Ende der Kommunalwahlen haben sich die Schleier der kurzen oder langen Nacht langsam gelüftet. Einigen Bewerbern wurde schon früh am Montag von Bürgermeister Christoph Meineke zu ihrem Ergebnis gratuliert.

Noch immer ganz überrascht vom Ergebnis ist Buchbindemeister Gunnar Supper, der auf der Liste der SPD als parteiloser Kandidat angetreten war. "Ich finde das gut und freue mich auf die neue Aufgabe. Zuerst muss ich mich einarbeiten, aber ich lasse erstmal alles auf mich zukommen", erklärte er. Ein bisschen Zeit ist auch noch, denn bis Ende Oktober ist der aktuelle Gemeinderat noch in der Pflicht, erst am 10. November wird der neue Rat sich konstituieren, Ausschüsse gründen und einen Ratsvoristzenden sowie stellvertretende Bürgermeister wählen. "Ich bin froh, dass ich parteilos bin - und werde es auch bleiben", kündigte Supper an. Sein Wahlergebnis als bester Bewerber über alle Parteien hinweg sieht er als "Ansage der Wennigser an mich". Und in noch einem Punkt bleibt er daher klar: "Ich werde auch künftig meine Meinung sagen und mir treu bleiben - auch wenn das nicht jedem gefällt".

Auch überrascht, nur eben nicht freudig, ist der noch amtierende CDU-Fraktionsvize und Vorsitzende des Feuerschutz-Ausschusses Joachim Batke über das Wahlergebnis: "Ich habe den Wahlkampf an zentralen Stellen organisiert - und jetzt bin ich draußen", zeigt er sich enttäuscht. Dabei stellt er auch klar, dass er nicht freiwillig und auch nicht zu Gunsten seines Sohnes auf den hinteren CDU-Listenplatz gegangen ist: "Ich wurde da von meiner Partei hingesetzt. Als kleine Kompensation konnte ich meinen Sohn Nils noch nach vorne bringen, er wird nun im Rat mitarbeiten", betont der CDU-Vize. Von seiner Partei erwartet er, als beratendes Mitglied für die Fachausschüsse herangezogen zu werden. "Ob ich am Ende weiter Parteiarbeit mache oder zur Karteileiche werde - alles das ist offen", hält er sich die Perspektive frei. Eine Person freut sich über sein Ausscheiden: "Meine Frau findet das gar nicht so schlimm", lacht Batke dann doch noch.

Und auch Hans-Jürgen Herr von der FDP zeigt sich überrascht vom Wahlergebnis: "Dass ich ein so tolles persönliches Ergebnis bekomme, damit hatte ich nicht gerechnet", ist er dankbar für das drittbeste Stimmergebnis im gesamten Gemeinderat. Fünf Jahre des konsequenten Weges und des Einsatzes hätten nun doch eine Wirkung gehabt, ist er sich sicher. An den neuen Rat hat er die Hoffnung, nicht erneut einen Fehlstart hinzulegen: "Wir müssen über einige Sachen klar reden: es sollte einen breiten Konsens geben, dass beispielsweise die stärkste Fraktion den Ratsvorsitz und den 1. stellvertretenden Bürgermeister stellt, über alles andere kann man sich sicher einigen", zeigt Herr auf. Er bleibt wohl auch Sprecher der FDP-Fraktion, der künftig neben ihm auch Michael Meißner wieder angehört - allerdings nur noch fünf Jahre: "Dann ist Schluss", kündigt er an.

Kurz angebunden war CDU-Parteichef Ernst Herbst auf die Frage, wie er sich das ungewöhnlich schlechte Abschneiden seiner Partei im Gegensatz zu den Trends erklärt. Im politischen Raum Wennigsens wird dafür um so mehr spekuliert, dass die Wähler den Christdemokraten die Fassade der stets einigen Partei nach Außen nicht mehr abgenommen hätten. Der plötzliche Verzicht von CDU-Fraktionschef Eike Werner nach einer turbulenten Bauausschuss-Sitzung im Sommer und die Kampfkandidaturen bei der Aufstellungsversammlung der CDU-Liste könnten dafür sprechen - genau wie die Einlassungen von Joachim Batke.

hug, 12.09.2016, 17:18
Redakteure CON

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