Einsatzübung unter realistischen Bedingungen

Das Übungs-Szenario: ein Auto ist gegen einen Baum gefahren und hat dabei zwei Radfahrer erfasst. Einer der Radfahrer wird über eine Brücke geschleudert und braucht Hilfe.Da das Auto nicht beschädigt werden sollte, stand es ein wenig vom Baum entfernt.Unter dem Fahrzeug liegt eine eingeklemmte Person, im Hintergrund liegt das Fahrrad über der Schutzplanke.Die Einsatzkräfte helfen dem vermeintlichen Verletzten.Rettungsfahrzeuge eilen an die Unfallstelle.Einsatzleiter Klaus Kreimeyer und Pressesprecher Helge Jakob stimmen sich ab.Eine Vielzahl an Rettungskräften ist an der Einsatzstelle.Auch Gemeindebrandmeister Uwe Bullerdiek war mit vor Ort.Einsatzleiter Klaus Kreimeyer hatte den Überblick.Zahlreiche Wehren wurden angefordert, weil ein Kind, ads auf einem der Fahrräder mit dabei war, vermisst wurde und in der Umgebung gesucht werden musste.

Evestorf / Wennigsen. 

- ein Kommentar von Markus Hugo -

Seit einigen Tagen plante die Feuerwehr Evestorf für den gestrigen Abend eine realistische Einsatzübung, an der zahlreiche Feuerwehren aus dem Gemeindegebiet beteiligt waren. Ein Autofahrer sollte von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt sein. Dabei kollidierte der Wagen auch mit zwei Radfahrern, wodurch beide Radler verletzt wurden. Dass am selben Tag nur wenige Stunden und nur wenige hunderte Meter entfernt weite Teile dieses Szenarios Wirklichkeit werden würden, konnte niemand vorher erahnen. Die CON-Redaktion hat die - ihr vorher von der Wehr vertraulich angekündigte - Übung zum Anlass genommen, nach den Vorkommnissen am Mittag einen realisitischen Eindruck zu vermitteln und übertrug auf ihrem Facebook-Kanal live das Geschehen mit dem Titel "Unfall in Evestorf". Eine heftige Diskussion in den sozialen Netzwerken entbrannte, wie weit Berichterstattung gehen darf. Dazu weist das Rote Kreuz darauf hin, dass Retter im Einsatz Szenen erleben, die nur schwer zu verarbeiten sind. Manchmal noch Monate nach dem belastenden Ereignis tauchen Sinneseindrücke wie Bilder oder Gerüche bei den Einsatzkräften auf. „Es kann vorkommen, dass man zu einem Einsatz gerufen wird, wo man den Verunfallten kennt oder sich wahre Familientragödien ereignen. In dem Moment kann man nicht groß Nachdenken sondern muss funktionieren“, berichtet Frank Wöbbecke vom DRK-Rettungsdienst Hannover/Hildesheim. Genau dieser Problematik stellten sich auch einige Zuschauern des Live-Videos.

Was war aber zuvor um 13.45 Uhr auf der B217 geschehen? Ein 52-jähriger Corsa-Fahrer war aus Richtung Hameln kommend nach Angaben der Polizei auf gerader Strecke nach rechts von der Straße abgekommen - dabei "stand (er) offensichtlich unter Alkoholeinfluss", so die Polizei. Wir haben über den Unfall berichtet (klick hier). Am Abend dann eine ähnliche Alarmierung: ebenfalls sollte ein Verkehrsunfall geschehen sein, ein Mensch war eingeklemmt. Für die Feuerwehrleute war die Alarmierung genau so real wie der Alarm am Mittag. Nur eine Hand voll Feuerwehrleute wusste überhaupt, dass es eine Übung war. Für die Feuerwehrleute galt daher: voller Einsatz. Das ist der Hintergrund, warum die Redaktion nicht gleich zu Beginn erklären konnte, dass es lediglich eine Übung war.

Selten hat eine Redaktion die Möglichkeit, eine so täuschend echte Einsatzlage von Beginn an zu begleiten. Dass die Übung nicht von Beginn an als solche deklariert wurde, lag eben daran, dass die Einsatzkräfte nicht schon auf der Anfahrt feststellen sollten, dass es kein Ernstfall war. Hier ging es der Redaktion nicht darum, ihre Facebook-Follower zu erschrecken. Sollte das doch der Fall gewesen sein, tut es uns leid. Es ging der Redaktion darum, zu vermitteln, was die ehrenamtlichen Feuerwehrleute Tag und Nacht an Arbeit leisten und mit was für teilweise grausamen Bildern sie konfrontiert werden - und bestimmte Bilder haben wir selbst bei dieser Übung nicht gezeigt.

Die Arbeit der ehrenamtlichen Retter kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden. Das Video soll insbesondere denen, die die Einsatzkräfte oft und gerne als Bier trinkende Rote-Autos-Spielzeug-Fanatiker abtun, aufklären und aufrütteln. Jeder dieser freiwilligen Uniform-Träger ist ein Vorbild für Nächstenliebe, Engagement und Mut. Die wenigsten Menschen sind bereit, sich derart für andere (fremde) Menschen, die sich in einer Notlage befinden, einzusetzen - so wie es die Feuerwehrleute gestern am frühen Nachmittag auf der B 217 getan haben als ein Mensch Hilfe brauchte. Danke an jeden einzelnen Kameraden und jede einzelne Kameradin, dass ihr tut, was ihr tut. Unsere Aufgabe als Teil der lokalen Medien ist es, über diese Einsätze zu berichten, damit unsere Leser wissen, was quasi vor ihren Augen Tag für Tag an Heldentaten vollbracht werden.

Für diejenigen, die sich das Video vom Übungs-Szenario und die Erklärung von Pressesprecher Helge Jakob ansehen möchten, finden beides hier:

Video von der Einsatzübung

Erläuterungen von Pressesprecher Helge Jakob

hug, 16.06.2016, 08:21

Kommentare

FrankMues - , 16.06.16 14:19:
Natürlich haben die Kritiker recht, die sagen, Gaffer und aufdringliche Presse haben an Einsatzstellen nicht zu suchen. Was aber die CON Redaktion gemacht hat, war ein wirklich wichtiger Beitrag zum Verständnis für die ehrenamtliche Arbeit der freiwilligen Feuerwehren. Dafür kann man sich als Feuerwehr nur bedanken. Und wer die Berichte von "echten" Einsätzen auf CON aufmerksam verfolgt, wird feststellen, das hier immer eine deutliche Distanz zum Geschehen gesucht wird. Ausdrücklich wird hier auf reisserische "Gruselbilder" verzichtet und sogar vor dem ansehen der Bilder vom Unfallort darauf hingewiesen, das diese unter Umständen auch verstörend wirken können. Wer das nicht sehen möchte, braucht dann nicht weiter klicken und liest nur den Bericht. So etwas nenne ich seriösen Journalismus. Danke Dafür